Jesus trifft auf Buddha: Die vier christlichen Wahrheiten

Die vier edlen buddhistischen Wahrheiten kennen mit Sicherheit viele Leser und Leserinnen dieses Blogs. Ich bin mal der Frage nachgegangen, was wir Christen dazu zu sagen haben, wenn wir in der buddhistischen Logik bleiben. Wenn Jesus auf Buddha trifft, sozusagen. Was sind die vier christlichen Wahrheiten? Doch zunächst einen Blick auf die vier Wahrheiten des Buddha:
- Dukkha existiert.
- Dukkha hat Ursachen.
- Dukkha kann überwunden werden.
- Es gibt Mittel und Wege Dukkha zu überwinden: der achtfache Pfad.
Diese vier Wahrheiten sind voller Weisheit und viele Menschen richten sich in ihrem Lebensalltag danach aus. Wer versteht und vor allem akzeptiert, dass er leidet, und sich dies eingesteht, der kann erfahren, wie sein psychisches Leiden schon mal abnimmt.
Dukkha
Was ist dieses Dukkha: Dukkha heißt wörtlich „schwer auszuhalten“, „schwer zu tragen“. Es ist das spirituelle Dilemma menschlicher Wesen. Eine Art universelles Phänomen, ein Widerstand gegen das, was jetzt ist. Dukkha ist das Nicht-Zufriedenstellende, das Unzulängliche, das Leidhafte.
Schau dich nur um, und frage dich mal ehrlich: Welcher Mensch in deinem Umfeld ist vollkommen zufrieden? Und genau da setzt Dukkha an. Die Buddhisten sagen sogar: Jeder Moment, der nicht als vollkommen zufriedenstellend erlebt wird, ist Dukkha.
Der buddhistische Ausweg
Die Buddhisten üben den achtfachen Pfad, ein Übungsweg aus Weisheitsschulung, Ethik und Geistesschulung. Solange bis sie Nibbāna erreicht haben. Nibbāna ist kein Ort, denn Nibbāna ist jenseits von Zeit und Raum, jenseits von Existenz und Nicht-Existenz.
Es bedeutet so viel wie: Kühle, Abgekühltsein, Erlöschen, die letztendliche Realität im Buddhismus. Das ausdrückliche Ziel buddhistischer Übung und gleichzeitig das höchste Potenzial der Menschheit.
Die vier christlichen Wahrheiten
Ich möchte nun diesen buddhistischen Wahrheiten, die vier christlichen Wahrheiten gegenüberstellen. Was glauben wir Christen in Bezug auf diese „edlen“ Wahrheiten?
Was könnte Dukkha also im christlichen Kontext sein? Ganz klar! Die Sünde. So kommen wir zur ersten christlichen Wahrheit:
- Sünde existiert.
Das ist zunächst nur eine nüchterne Erkenntnis, ohne Werteurteil. Wenn du hier wegklicken willst, weil du das nicht hören kannst, dann bitte lies weiter. Es wird nämlich noch sehr spannend. Ich schreibe nicht über Selbstverdammung und Selbstabwertung. Keineswegs! Sondern wie du frei wirst …
Sünde existiert also. Die Bibel sagt: Es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt (1Kön 8,46). Es kann eine geistliche Übung sein, die Sünde in unserem Leben zu erkennen. So kann ich sofort sagen, wenn ich hasse, wenn ich neidisch bin, wenn ich hochmütig bin, wenn ich Gott nicht vertraue: „Ja, das alles ist Sünde!“ Ich gestehe es mir sofort ein, damit verliert die Macht der Sünde, die mich in Besitz nehmen möchte, sofort ihre Wirkung. Ich baue also keine Widerstände auf. Ich bin ehrlich zu mir.
Alle Probleme in unserem Leben sind im Grunde auf Sünde zurückzuführen. Das ist die Wurzel des Problems.
Kommen wir zur nächsten Wahrheit:
- Sünde hat Ursachen.
Die Sünde kam durch einen einzigen Menschen in die Welt, nämlich durch Adam. Der Sündenfall hat zur Folge, dass wir Menschen in einer gefallenen Schöpfung leben. Paulus beschreibt das, wenn er sagt: Die gesamte Schöpfung seufzt bis zum heutigen Tag und liegt in Geburtswehen (Röm 8,22).
Die Buddhisten kennen als Ursache für Leiden: Lobha (Gier), dosa (Hass) und moha (Verblendung). Das sind buddhistische Gründe, warum Menschen Leid erfahren, die sogenannten „Geistesgifte“.
Aus christlicher Sicht ist es vor allem der Ungehorsam gegenüber Gott und auch das Streben des Menschen so zu sein wie Gott, aber ohne Gott[1]. Der Mensch stellt sich in den Mittelpunkt und auf seinem Thron sitzt er selbst. Das führt zu der Welt, die wir heute kennen.
- Die Sünde IST bereits überwunden.
Hier nun der fundamentale Unterschied zur dritten buddhistischen Wahrheit. Während es im Buddhismus heißt: Dukkha KANN überwunden werden, heißt es im Christentum: Die Sünde IST überwunden.
Lass uns da genauer drauf schauen. Die Sünde ist überwunden, weil Gott seinen einzigen Sohn hingab, „damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht“ (Joh 3,16).
Durch das Blut Christi, und sein Kreuz sind wir durch die Gnade errettet. Luther sprach von „Sola Gratia“. Allein durch Gnade sind wir gerettet. „Der aus Glauben Gerechte wird leben“, heißt es im Römerbrief[2]. Das Einzige was wir „tun“ sollen, ist an den Namen des einzigen Sohnes Gottes zu glauben. Wie Jesus selbst sagt: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Joh 6,29).
Es geht nicht um Werke, um eigene Leistung, um Disziplin und Ehrgeiz. So können wir niemals vor Gott gerecht werden. „Sola Fide“, allein durch Glauben, wie es Luther erkannt hat.
- Es braucht KEINE Mittel und Wege, weil das Problem (die Sünde) bereits aus der Welt ist. Es braucht nur Glauben.
Was heißt das nun? Es ist auffallend, dass die Buddhisten im achtfachen Pfad ein Geistestraining durchlaufen, das sie retten soll, weil sie dadurch Erleuchtung erlangen können. Das ist bewundernswert, wie intensiv und eifrig Buddhisten an ihrer Befreiung arbeiten. Hier habe ich darübergeschrieben, was uns Buddhisten als Christen lehren können.
Unter dem Gesetz?
Man könnte sagen, dass die Buddhisten unter dem Gesetz stehen, zwar nicht unter dem mosaischen Gesetz wie das Volk Israel, dennoch aber unter dem Gesetz der Werke, des Ehrgeizes. Sie wollen sich selbst durch einen strikten Pfad durch disziplinierte Übung erlösen.
Unter der Gnade!
Wie sieht es bei uns Christen aus? Was müssen wir „tun“? Zunächst sind wir ein für alle Mal befreit von einem: „Ich muss rein werden, ich muss fasten, ich muss Gott gefallen, ich muss alles tun, damit Gott mich liebt, ich muss diszipliniert an meiner Befreiung und Erlösung arbeiten, etc.“ Wir sind durch das Blut Christi gereinigt. Gott sieht uns als heilig und rein an. Dennoch müssen auch wir etwas in die Waagschale legen, ein Commitment abgeben, sozusagen.
Allein durch Glauben
In der Apostelgeschichte[3] fragt der Kerkermeister Paulus und Silas: „Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ Ihre Antwort, so einfach wie genial: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden.“
Heißt das nun, dass ich so leben kann wie ich will, nur weil ich gerettet bin? Keineswegs! Der Jakobusbrief[4] spricht davon, dass der Glaube ohne Werke tot sei. Wer an Gott glaubt, der entwickelt früher oder später eine Sehnsucht Gott zu dienen.
Gott dienen
Das kann im Alltag sein, als Vater, als Mutter, im Berufsleben, in der Freizeit, im respektvollen Umgang mit Jüngeren oder Älteren, im Beisammensein mit Freunden, oder Verwandten. Wir brauchen nicht gleich die Armen speisen, die Gefangenen besuchen, oder die Kranken heilen, was natürlich toll ist. Aber kleine Dinge reichen völlig aus: dass wir ordentlich mit den uns anvertrauten Gütern umgehen, dass wir Gott danken und ihn loben für all das Gute in unserem Leben.[5]
Wir können nach dem Motto leben: „Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen“ (Mt 25,21). Wenn du dir ein neues Auto wünschst, dann schau, dass du dein altes Auto in Ordnung hältst. Auch dass ein „Ja“ von dir auch ein „Ja“ bedeutet.
Die gute Nachricht
Als ich vorhin unter dem ersten Punkt geschrieben habe: Sünde existiert, dann haben bestimmt einige Leser und Leserinnen sofort mit einer ablehnenden Haltung reagiert.
Das kann ich absolut verstehen, ging es mir viele Jahre ähnlich. Es geht hier nicht um ein schlechtes Gewissen oder eine falsch verstandene Demut oder Erniedrigung des Menschen. Keineswegs!
Ein wichtiges Eingeständnis
Der erste Schritt besteht darin, sich die Sünde einzugestehen, genau wie dies Buddhisten tun, wenn sie erkennen: „Da ist Dukkha, da ist Unzufriedenheit.“ „Ja, ich gestehe mir ein, dass da Sünde in meinem Leben ist.“
Dann im nächsten Schritt in dem Bewusstsein leben: „Aber ich bin unendlich geliebt, Jesus ist für mich gestorben. Gott hat sich selbst geopfert, er ist für mich ans Kreuz gegangen und hat die Sünde besiegt. Ich bin gerettet durch Glauben an Christus!“
Heilung geschieht
Siehst du wie hier der heilsame Prozess wirkt? Zuerst sagt man sich: „Sünde existiert“, um sich die Selbsttäuschung und das eigene Versagen einzugestehen, und dann spricht man sofort: „Aber die Sünde ist besiegt durch den Sohn Gottes, weil er dies aus Liebe zu mir getan hat.“
Wie genial ist das denn? So entsteht Heilung, tiefgreifende Heilung. Ich muss nichts tun, nicht anders sein, genauso wie ich bin, darf ich sein. Selbstoptimierungszwang adé.
Wir sind um einen teuren Preis erkauft worden[6], nämlich durch das heilige Blut Jesu. Denn wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt kam, so wird sie durch einen erlöst.[7]
Das heißt, wenn wir diese biblischen Wahrheiten annehmen können, dann sind wir ein neuer, geistlich wiedergeborener Mensch.
Nur die Ruhe
Was aber, wenn wir das nicht so leicht glauben können? Dann mach dir bitte keinen Stress! Wir alle wachsen allmählich in diese biblischen Wahrheiten hinein. Es dauert seine Zeit, bis wir sie in ihrer Gänze verstanden haben. Es braucht vor allem die Gnade Gottes, die unsere Augen öffnet. Wenn unsere Augen dann geöffnet sind und wir die Wahrheiten verstanden haben, dann bricht eine neue Zeit der Hoffnung, der Kraft Gottes und Liebe in unser Leben an.
Ich hoffe du konntest etwas für dich mitnehmen. Auch wenn dieses Thema recht herausfordernd für uns Menschen ist, bete ich dafür, dass wir alle gemeinsam weiter in die biblische Wahrheit hineinwachsen dürfen: Dass Jesus den Schuldschein, der gegen uns sprach, aufgehoben hat.[8]
Wenn Gott es zulässt, dann wird unser Herz geheilt, von all den Narben und seelischen Traumata, und wir bekommen ein neues Herz, das heißt einen neuen Glauben, an den einen Namen, der über allen Namen steht: Jesus Christus.
Prüfe alles! Behalte das Gute!
Bibelverse:
[1] Die Schlange macht der Frau die verbotene Frucht schmackhaft, wenn sie sagt: „Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse“ (Genesis 3,4-5).
[2] Römerbrief 1,17.
[3] Apostelgeschichte 16,30.
[4] „Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jak 2,26).
[5] „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103,2).
[6] 1Kor 6,20.
[7] Römerbrief 5,12.
[8] Kol 2,14.