Im Buch des Lammes

Gestern las ich in der Offenbarung über das neue Jerusalem. Wir lesen in Offenbarung Kapitel 21, dass die heilige Stadt Jerusalem erfüllt ist von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzt wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis (vgl. Vers 11). Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes (Vers 14). Die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas (Vers 18).

Die alte Erde ist vergangen, auch das Meer ist nicht mehr (Offb 21,1). Die heilige Stadt, das neue Jerusalem ist wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat (Vers 2). Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen (Vers 4).

Und nun der Vers, der mich direkt ins Herz getroffen hat.

Aber nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt. Nur die im Lebensbuch des Lammes eingetragen sind, werden eingelassen (Offb 21,27).

Bin ich dabei?

Ich stellte mir unmittelbar die Frage: Stehe ich denn in dem Buch des Lammes? Wenn Jesus wiederkäme, würde ich Einlass finden in das neue Jerusalem? Wie kann mein Name dortbleiben, falls er darinsteht?

Die Frage hat mich sehr berührt und ich teilte mich meinem Bruder im Glauben, Jonathan mit. Ein guter Freund, mit dem ich mich regelmäßig austausche und mit dem ich bete. Er kennt sich sehr gut in der Bibel aus, und konnte mir eine logische und biblisch fundierte Antwort geben. Ich habe seine Worte sprachlich und inhaltlich angepasst und sie mit eigenen Worten formuliert. Hier also Jonathans Antwort.

Keiner, der Gutes tut

Die ausführlichste Darstellung des Evangeliums, also der guten Nachricht von dem, was Jesus für uns getan hat, findet sich im Römerbrief, Kapitel 3:

Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen; es gibt keinen Verständigen, keinen, der Gott sucht. Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen (10-12).

Alle haben ja gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus (23-24).

Wo bleibt da noch das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das Gesetz des Glaubens. Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes (27-28).

Das ist also die Grundlage für unsere Erlösung: Der Glaube. Gott vergibt uns, weil Jesus für uns stellvertretend gestorben ist: Für unsere Sünden. Er hat die Last getragen und den Preis bezahlt. Und würden wir noch so rechtschaffen leben, uns an alle Regeln des Gesetzes halten, wir schaffen es nicht, uns selbst zu erlösen. Das sagt auch der Römerbrief, Kapitel 5:

Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen […] (1-2).

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben (8-10).

Wir waren also „Gottes Feinde“, und doch ist Jesus für uns gestorben, noch bevor wir irgendetwas Rechtschaffenes hätten tun können. Jesus hat durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung alles getan.

Paulus hat im Römerbrief beschrieben, wie alle vor Gott schuldig sind. Keiner hat eine Ausrede, wir alle sind verloren. Doch Jesus ist für uns gestorben, hat alles getan, damit wir gerettet werden können, damit uns vergeben wird, damit unsere Beziehung zu Gott wiederhergestellt wird.

Jesus hat uns nicht nur von unserer Schuld befreit und die Strafen der SÜNDEN (Plural) auf sich genommen. Auch die Macht der SÜNDE (Singular) ist dadurch gebrochen. „Sünden“ könnte man als die sündigen Handlungen betrachten, während die „Sünde“ das dahinterliegende, eigentliche Problem ist: nämlich die Trennung von Gott, die gefallene Schöpfung.

Die Bedeutung des Gesetzes

Das Gesetz hat die Aufgabe, uns unsere Sünden zu zeigen, uns Gottes Wesen vor Augen zu führen und uns zu offenbaren, wie weit wir von der Heiligkeit Gottes entfernt sind. Jetzt, da wir mit Christus gestorben sind, sind wir nicht nur von der Macht der Sünde befreit, sondern auch vom Gesetz.

Manche Christen betrachten Gesetz und Gnade als zwei Seiten einer Medaille. Die Gnade beruhigt uns immer wieder und gibt uns Zuversicht und Zuspruch, während das Gesetz uns „Feuer unter dem Hintern“ macht. Erst jetzt – so Paulus – wo wir für das Gesetz gestorben und befreit von ihm sind, können wir für Gott Frucht bringen, so leben, wie ihm es gefällt.

Ebenso seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, durch das Sterben Christi tot für das Gesetz, sodass ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde, damit wir Gott Frucht bringen. (Römer 7,4).

Mit Jesu Geist verbunden

Nicht, indem wir versuchen, das Gesetz Gottes nach unseren Ansprüchen zu erfüllen, werden wir gerecht. Gott spricht uns gerecht, weil wir in Jesus, mit ihm verbunden sind. Es gibt keine Verurteilung mehr für die, die in Christus sind.

Jesus hat uns befreit – und mehr noch: Er gibt uns seinen Geist, den Heiligen Geist. Dieser befähigt uns nun, so zu leben, wie es das Gesetz fordert. Nicht aber, indem wir uns anstrengen, sondern indem wir uns vom Geist Jesu bestimmen lassen.

Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr verurteilt. Denn für ihn gilt nicht länger das Gesetz der Sünde und des Todes. Es ist durch ein neues Gesetz aufgehoben, nämlich durch das Gesetz des Geistes Gottes, der durch Jesus Christus das Leben bringt. So kann sich in unserem Leben der Wille Gottes erfüllen, wie es das Gesetz schon immer verlangt hat; denn jetzt bestimmt Gottes Geist und nicht mehr die sündige menschliche Natur unser Leben. (Röm 8,1-4, HFA)

Man kann festhalten: Wer glaubt, gefällt Gott (vgl. Hebräer 11,6). Nur ein Leben, das vom Heiligen Geist bestimmt ist, kann Gott gefallen.

Gottes Geist mach frei

Es ist wichtig, zu verstehen, dass unsere Namen nicht aus dem Buch des Lammes verschwinden oder gar gelöscht werden, wenn wir sündigen oder uns von unseren Sünden fehlleiten lassen. Wir brauchen keine Angst vor einem Leistungsgott zu haben, vor dem wir immer besser, und perfekter sein müssen. Wir sind Gottes geliebte Kinder. Wie es im Römerbrief 8,1 heißt: Es gibt keine Verurteilung für die, welche in Christus Jesus sind.

Ganz schön tricky

Natürlich ist das nicht so leicht anzunehmen. Gerade wer hochsensibel ist, und die Schuld ständig bei sich sucht, für den ist diese biblische Wahrheit revolutionär. Als mir Jonathan die Bibelverse und seine Ausführungen per Mail sandte und ich sie zum ersten Mal las, war ich baff. Es ratterte nur so in meinem Kopf. Wie genial ist das denn?, sagte ich zu mir. Das heißt also: Ich bin so gut wie ich bin, mit all meinen Schwächen und charakterlichen Defiziten. Ich bin frei, weil Jesus mich frei gemacht hat. Punkt. Kein Grund zu zweifeln, ob ich vor Gott richtig bin.

Der Plan Gottes mach Mut

Wie ich auch schon im Artikel Glaube, Hoffnung, Liebe. Eine starke Affirmation schrieb, tut es gut, sich als Christ bewusst zu machen, dass Gott doch noch so viel mehr mit dieser Welt vorhat, als wir das begreifen können. Er will eine neue Erde und einen neuen Himmel erschaffen (vgl. Offb 21,1), dann wird es keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal mehr geben (vgl. Offb 21,4). Gerade, wenn du in deiner Lage verzweifelst, sind das Worte der geistlichen Stärkung. Ich schaue sozusagen in der Offenbarung nach und lese vom Drehbuch Gottes. Die Bibel ist die Geschichte vom Volk Gottes, auch von der Welt, die dann endgültig erlöst wird, wenn Jesus wiederkommt.

So schreibt auch Paulus von der neuen Erde:

Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes […] Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt (Römer 8,18-22).

Reingewaschen

Schon jetzt sieht uns Gott wie er Jesus sieht: völlig heilig, gerecht, vollkommen und wunderschön. Das ist unsere Stellung vor Gott. Aber unser Leben sieht oft anders aus. Wir werden ziemlich von unseren Schwächen und Schattenseiten gebeutelt. Aber wenn Jesus wiederkommt, dann werden wir die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes erleben. Entsprechend heißt es in 2.Thess 1,10:

Wenn er an jenem Tag kommt, um inmitten seiner Heiligen verherrlicht und inmitten der Glaubenden bewundert zu werden; auch bei euch hat ja unser Zeugnis Glauben gefunden.

Es geht also wieder, du siehst es schon: um den Glauben.

Wir überspringen nun einige Verse und lesen weiter in Röm 8,31-39:

Was sollen wir nun dazu sagen? Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? […] Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? […] Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? […] Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Wer kann gegen uns sein?

Wer könnte die von Gott Auserwählten anklagen? Paulus spricht nicht nur von denen, die vollkommen hingabevoll leben und leidenschaftlich für Jesus einstehen, und in ihrer Heiligung schon fortgeschritten sind. Nein, das gilt für alle, die an Jesus glauben. Auch für diejenigen, die starke Zweifel haben, die innere Kämpfe erleben und die immer wieder wankelmütig werden. Niemand kann uns anklagen. Zurück zu meiner Frage, die das Buch des Lammes betrifft: Unsere Namen stehen dort für alle Ewigkeit. Wir brauchen keine Angst zu haben, ob wir gut genug sind. In Gottes Augen sind wir vollkommen und wunderschön.

Jesus verteidigt uns als unser Anwalt vor Gericht. Seine Wundmale bringt jede Form der Anklage zum Schweigen. Er selbst hat für alles gelitten und bezahlt, was man uns vorwerfen könnte. So ähnlich heißt es bei 1Joh 2,1-2:

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

Und vorher bei 1Joh 1,9:

Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.

Bei 1Joh 3,18-21 steht geschrieben:

Deshalb, meine Kinder, lasst uns einander lieben: nicht mit leeren Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit. […] So können wir mit einem guten Gewissen vor Gott treten. Doch auch wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott barmherziger mit uns ist als wir selbst. Er kennt uns ganz genau (HFA).

Gott ist gut

Eine geniale Stelle. Niemand soll uns anklagen, nicht einmal unser eigenes Gewissen. Das ist ja bei vielen sensiblen Menschen oft der Fall, dass sie von ihrem Gewissen gequält werden. Sie machen sich selbst fertig. Doch Gott ist größer als unser Gewissen.

Wahre Freiheit

Mit anderen Worten: Gottes Liebe möchte uns frei machen von Angst. Und uns volles Vertrauen und Zuversicht schenken. Denn wir sind von ihm angenommen. Ein sehr schöner Gedanke. Lassen wir also los, von Unbarmherzigkeit und Hass gegenüber uns selbst. Seien wir zu uns gütig, wie Gott gütig zu uns ist.

Wo ist der Haken?

Vielleicht denken wir jetzt: Das kann es doch nicht sein! Das klingt viel zu gut, um wahr zu sein! Ich muss doch irgendwo etwas leisten, besser werden, mehr tun, mehr ackern, mich ständig selbstoptimieren, wie das viele moderne Coaches predigen. Doch ich kann dir sagen: Es klingt nicht zu gut, um wahr zu sein! Die Bibel ist hier sehr deutlich. Es ist Gottes Geist, der befreit. Er flüstert uns zärtlich zu: „Liebes Kind! Ich liebe dich! So wie du bist, bist du vollkommen okay. All deine Verfehlungen sind dir vergeben!“ Wer in sein Herz lauscht, kann das fühlen.

Was ist nötig, um im Buch des Lammes zu stehen?

Der Kerkermeister von Philippi hat die Antwort in der Apostelgeschichte 16,30-31 erhalten:

Er [Der Kerkermeister] führte sie hinaus und sagte: Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden? Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.

Es ist nur der Glaube und nichts als der Glaube. Epheser 2 macht es nochmals zum Abschluss deutlich:

Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt –, nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann (8-9).

Unsere Rettung und Erlösung – sie ist ganz Gottes Werk! Es ist allein seine Gnade, die durch den Glauben und das Vertrauen empfangen wird. Wir sind Gottes Kunstwerke, geschaffen zu guten Werken, die Gott für uns vorbereitet hat. Auch das ist sein Werk. Er wirkt in uns, was ihm gefällt, er legt es uns in den Weg, was wir tun sollen und tut es in uns.

Gott mit mir

Der Gedanke, dass es nicht meine eigene Anstrengung ist, die gutes bewirkt, sondern der Geist Gottes, in mir, ist sehr spannend und inspirierend. Oder wie es meine gute Freundin Alwine ausgedrückt hat: „Ohne den Heiligen Geist wären wir nicht in der Lage, auch nur einen Schritt zu gehen. Unser Herz würde nicht schlagen, wir könnten nicht atmen.“ Eine mystisch anmutende Erkenntnis, die auch in der Bibel zu finden ist:

Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen (Phil 2,13).

Alles, was wir tun, tun wir, weil Gott es in uns vorbereitet hat. Wir sind durch seine Gnade, die, die wir sind. Wie es Paulus ausdrückt:

Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir (1Kor 15,10).

Vergessen wir nie:

Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei (Joh 8,36).

Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat (Joh 6,29).

Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes (1Joh 5,13).

Wir brauchen also keine Sorge zu haben, dass wir aus dem Buch des Lammes herausfallen oder herausgestrichen werden. Denn wir liegen Gott so sehr am Herzen. Mögest du das in dir erfahren: Dass Gott dich annimmt, wie du bist.

Prüfe diesen Artikel und behalte das Gute!

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