Du brauchst ein Ziel #1

Ein wichtiger Hinweis

Update: Januar 2026: Auch ich entwickle mich auf meinem Glaubensweg weiter. Deshalb bedarf es jetzt einer Aktualisierung dieses Blogbeitrages. Ich veröffentlichte diesen damals im Januar 2021, also vor genau 5 Jahren. Damals war ich sehr verhaftet im „Werkedenken“. Ich dachte, ich müsste etwas leisten, um vor Gott zu glänzen. Heute weiß ich es besser.

Der erste Schritt im christlichen Glauben ist die Tatsache, dass wir durch den Glauben an Christus gerettet sind. Ohne Ausnahme. Es braucht keine Gebetstechnik, keine spirituelle Methodik, keine Frömmigkeitsübungen, nicht einmal das Jesusgebet, um vor Gott gerecht zu sein. Was für eine frohe Botschaft!

Gerettet ohne Ausnahme

Ich brauche mich nicht zu verändern, und kann loslassen, von allen Plagegeistern in mir, die da rufen: „Du musst aber dieses oder jenes tun, ansonsten verwirft dich Gott.“ Das ist nicht wahr! Wir sind gerettet, denn „der aus Glauben Gerechte wird leben” (Röm 1,17). Im Epheserbrief steht eine Zusammenfassung des bereits Gesagten: „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt -, nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann“ (Eph 2,8-9). 

Unsere Errettung geschieht aus Glauben, nicht durch Werke. Denn wir sind durch das Blut Jesu ein für alle Mal von unserer Schuld befreit. Im Kolosserbrief wird das schön beschrieben: „Er [Jesus] hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat“ (Kol 2,14). Das ist das Fundament auf dem wir im Glauben stehen: Wir sind durch das Kreuz Jesu gerettet.

Glaube und Werke

Wenn wir das verstanden haben und auch verinnerlicht haben, dann können wir den nächsten Schritt gehen. Dieser besteht aus der Frage, wie wir dann – wenn wir zum Glauben an Gott gekommen sind – Gott dienen können. Denn jemand der wirklich an Gott glaubt, will auch gute Werke tun. Dieses Bewusstsein beschreibt auch Jakobus, wenn er sagt: „Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jak 2,26). Erst nachdem wir angenommen haben, dass wir vor Gott durch seinen Sohn gerettet sind, können wir uns fragen, welche Werke wir dann tun wollen.

Ist dann der ganze Titel: „Du brauchst ein Ziel #2 Das Jesusgebet“, falsch? Jein. Du brauchst kein wirkliches Ziel, wenn überhaupt ist das Ziel, sich von Gott angenommen zu wissen und in seiner Liebe zu entspannen. Dennoch kann ein spirituelles Ziel helfen, Gott näher zu kommen. Mit diesem Hintergrundwissen kannst du nun den Artikel mit neuen Augen lesen. Viel Spaß dabei! 


„Die nächste Ausfahrt, in zweihundert Metern links abbiegen …“, so sprach die nette Frauenstimme gestern aus meinem Navi im Auto. Na klar, ich hatte ja auch zuvor ein Ziel eingegeben. Ohne Ziel, kein Weg. Das leuchtet jedem ein. Mir kommt es so vor, dass wir als Christen oft ein Ziel vermissen. Deshalb dieser Beitrag, der dir ein Bewusstsein für dein ganz persönliches, spirituelles Ziel geben wird. 

Ziel des Hindu und Buddhisten

Im Buddhismus und Hinduismus kennt jeder Gläubige das Ziel. Der Buddhist will ins Nibbāna gelangen, ein Zustand frei von Tod und Wiedergeburt. Nibbāna, so lehrte Buddha, ist aber kein ferner Zustand, sondern kann bereits zu Lebzeiten erfahren werden. Nibbāna und wir sind in keinem Moment voneinander getrennt. Jederzeit ist es möglich, bei der noch so banalen Handlung zu erwachen. Dieses Erwachen ist die Hauptmotivation vieler Buddhisten. Deshalb auch die Meditation. Das ist die buddhistische Methode, Nibbāna zu erreichen.

Der Hinduist würde sage: Mein Ziel ist Moksha. Ein Zustand des Geistes, der mit Brahman, dem Göttlichen verschmolzen ist. Die Seele Atman geht ganz in Brahman, im Göttlichen auf. So strebt auch der Hinduist nach dem Ende des Leidens, nach dem Ende von Tod und Widergeburt. Der Hinduist strebt nach wahrer Glückseligkeit, ohne Grund, ohne Bedingung: bedingungsloses Glück: Das Sat-Chit-Ananda. Ist sich der Mensch seines wahren Seins (sat) bewusst (chit), so fühlt er jene Glückseligkeit (ananda). Atman taucht ein in Brahman und löst sich darin in Glückseligkeit auf.

Glauben aus Angst?

Was würdest du als Christ sagen, ist das Ziel unseres Glaubens? Was ist das Ziel des Christen? Gar nicht so einfach auf Anhieb zu sagen, oder?

Ich bin mir sicher, viele unserer Vorfahren hätten gesagt: „Ich glaube, weil die Kirche den Glauben als Autorität vorgibt und – falls ich von diesem Heilsweg abkommen sollte – ich bestraft werde.“

Das ist natürlich kein richtiges Mindset. Ich sollte nicht aus Angst vor göttlicher Verdammung glauben, sondern aus Überzeugung, dass mich der Glaube an Christus vor Gott gerecht spricht. Siehe: Einleitende Worte. So heißt es im Römerbrief des Apostel Paulus:

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! (8,15)

Wir sollen also voller Glaube, Hoffnung und Liebe sein, denn wir sind Gottes geliebte Söhne und Töchter. Das ist doch eine viel weisere Sicht, als die mancher unserer Vorfahren. Auch der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief:

Furcht gibt es nicht in der Liebe; die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht (1 Johannes 4,18).

Viele Ziele – ein Gott

Dennoch bleibt die Frage nach dem Ziel des Christen immer noch unbeantwortet. Ich glaube, dass es hier viele Antworten geben kann, die alle richtig sein können. Hier einige Anregungen und Beispiele:

Ziel des christlichen Lebens kann sein:

  • in eine lebendige Beziehung zum dreieinigen Gott hineinwachsen.
  • Gottes Gegenwart suchen.
  • ein weites Herz haben.
  • die Liebe Gottes erfahren.
  • Jesus Christus nachfolgen.
  • Den Menschen dienen: Hungernde speisen. Dürstenden zu trinken geben. Fremde aufnehmen. Nackte bekleiden. Gefangene besuchen (Mat 25,31-46).
  • in schweren Zeiten vom Glauben getragen werden.
  • oder für die Mystiker unter uns: unio mystica, das Einswerden mit Gott.

Ich ermutige dich, hier selbst nachzudenken, was denn dein Ziel ist. Es kann als Christ wichtig sein, hier eine für dich befriedigende Antworten zu geben.

Der Hl. Benedikt – ein Vorbild in vielerlei Hinsicht

Schauen wir doch mal auf den Heiligen Benedikt von Nursia (um 480–547), den Ordensgründer der Benediktiner. Er hat in seiner Regel bewusst das Ziel, die Messlatte niedrig gehalten, denn er wollte „keine unerfüllbaren Forderungen stellen, damit schwache Brüder nicht verschreckt davonlaufen (vgl. RB 64,19).“[1] Das ist wirklich sehr weise. Denn zu viel Druck erzeugt immer Gegendruck. Zu viele Ideale verhindern, dass wir entspannt im hier und jetzt Gott näher kommen können.

Benedikt verlangt aber dennoch von seinen Mönchen, dass sie alles einsetzen, um auf dem Weg zu Gott vorwärtszuschreiten. Was ist nun das Ziel des Hl. Benedikts?

Er sagt, dass

der Weg des Mönches anfangs immer eng ist und durch viele Schwierigkeiten führt. Wenn einer davon aber nicht zurückschreckt und mutig weitergeht, dann wird das Herz weit und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe auf diesem Weg weiter. Wenn er das erreicht, ist der Mensch an einem Höhepunkt des geistlichen Lebens angelangt.[2]

Das ist doch großartig! Auch wir im Christentum kennen also ein Ziel, jene Gipfelerfahrungen, die viele christliche Mystiker und Mystikerinnen gemacht haben, wie Ignatius von Loyola, Theresa von Ávila, und Johanes vom Kreuz, über den ich schon HIER geschrieben habe.

Der Glaube trägt

Es kommt jedoch nicht (nur) auf mystische Erleuchtungen an, sondern es ist vor allem der Glaube, der durch Wüstenzeiten trägt. Ullrich Filler, Pfarrvikar und Autor, beschreibt das wie folgt:

„Mystik“ meint den Bereich von Erfahrungen, die das gewöhnliche Bewusstsein und die verstandesmäßige Erkenntnis übersteigen und eine unmittelbare Erfahrung der göttlichen Wirklichkeit bedeuten. Im Christentum ist sie zunächst eher selten anzutreffen. Das Neue Testament vertritt eine nüchterne Glaubenshaltung: Das Ziel des christlichen Lebens ist nicht, Gott in mystischer Weise zu schauen, sondern liegt darin, nüchtern und wachsam an ihn zu glauben.[3]

Dennoch: Es gibt immer wieder Christen, denen Gott mystische Erfahrungen geschenkt hat. Die Vereinigung mit Gott waren Hildegard von Bingen, Nikolaus von Flüe und Schwester Faustyna bekannt. Und dennoch macht der Mystiker die Erfahrung, dass sich Gott nicht erzwingen lässt.

„Mystik“ stellt eine Ausnahme, keine Regel dar. Für die meisten Christen wird gelten, was der spätere Papst Johannes Paul I. als Bischof einmal […] über das Gebet gesagt hat: ‚Das Beten ist mir ein Opfer. Beten zu Gott, den ich nicht sehe, während meine Sinne all das wahrnehmen, was um mich herum ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Manchmal kann man Geschmack finden am Beten, aber gewöhnlich ist es eine ermüdende Anstrengung.[4]

Ich finde das nicht deprimierend. Ganz im Gegenteil: wir können als Christen – wenn wir einmal unsere natürlichen Begrenzungen akzeptiert haben – sein, wie wir sind. Es ist nicht notwendig uns verändern zu müssen, anders zu sein, oder mystische Erfahrungen auf Biegen und Brechen machen zu müssen. Wir als Christen sind wie wir sind, haben aber dennoch die Option, eine mystische Erfahrung von Gott geschenkt zu bekommen, als Ausdruck seiner tiefen Liebe und Gnade. Es ist eine Möglichkeit und kein vorgeschriebener Zwang. Das ist doch ein guter Ausgangspunkt!

Gott nahe zu sein, ist mein Glück

Zurück zu Benedikt: Wenn er von einem weiten Herz spricht, dann

verweist er damit auf einen Höhepunkt und Zielpunkt der geistlichen Entwicklung, worauf hin der Mönch mit seinem Kämpfen unterwegs ist: auf den Durchbruch der vollkommenen Gottesliebe und auf die Gottesschau – schon in diesem Leben, [und nicht erst im Jenseits].[5]

Benedikt kennt also neben dem Ziel im Himmelsreich auch eines für das Leben in dieser Welt: das weite Herz, das ihn befähigt Gott zu schauen. Die Gottesliebe, die der Mönch erfährt, lässt sein Herz voller Freude und Glück höherschlagen. Aus dieser Liebe lebt der Mönch. Er wird ein Liebender.[6]

Sich immer wieder neu aufmachen

Nur wer ein Ziel vor Augen hat und sich dieses immer wieder klarmacht, kann den beschwerlichen Weg hin zu Gott bestehen. Auf dem Weg begegnen uns viele Hindernisse, unser Geist kann sich wie in einem Labyrinth verirren.

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Philipper:

Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt (3,13-14).

Paulus scheut keine Mühe, weil er ein geniales Ziel vor Augen hat: eine himmlische Berufung, aus der er handelt. Wer also von einem Ziel überzeugt ist, wird auf seinem Weg bleiben.

Eine geniale Methode

Im nächsten Artikel erwartet dich die Frage: Wie komme ich nun meinem Ziel näher? Welche Methode kann mich meinem Ziel als Christ näherbringen?

Jetzt wünsche ich dir, dass du dein Ziel findest! Schreibe mir gerne, wenn du mir mitteilen willst, was dich in deinem Glauben trägt und was dein Ziel ist.

Prüfe alles! Behalte das Gute!

Quellen:

[1] Ruppert, Fidelis: Geistlich kämpfen lernen: Benediktinische Lebenskunst für den Alltag, 3. Aufl., Münsterschwarzach, Deutschland: Vier-Türme-Verlag, 2018, S. 33.

[2] Vgl. Ruppert, 2018, S. 35.

[3] Vgl. Filler, Ulrich: Geschichte einer großen Sehnsucht: Ein Portrait der hl. Schwester Maria Faustyna Kowalska, 5. Aufl., Kißlegg, Deutschland: fe-medienverlag, 2020, S. 22-23.

[4] Vgl. Filler, 2020, S. 27.

[5] Ruppert, 2018, S. 35-36.

[6] Vgl. ebd., S. 37.

Literaturverzeichnis:

Filler, Ulrich: Geschichte einer großen Sehnsucht: Ein Portrait der hl. Schwester Maria Faustyna Kowalska, 5. Aufl., Kissleg, Deutschland: fe-medienverlag, 2020.

Ruppert, Fidelis: Geistlich kämpfen lernen: Benediktinische Lebenskunst für den Alltag, 3. Aufl., Münsterschwarzach, Deutschland: Vier-Türme-Verlag, 2018.